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Kann die Hashimoto Thyreoiditis messbar die Psyche verändern?

Eine normale Schilddrüsenfunktion ist wesentlich für die optimale Entwicklung, Reifung und Funktion des Zentralnervensystems. Hashimoto-Patienten beschreiben manchmal Konzentrationsschwierigkeiten, übertriebene Reizbarkeit, Schlafstörungen, Angst, Stimmungsschwankungen bzw. depressive Verstimmungen. Die genauen Ursachen und der Pathomechanismus dieser kognitiven Veränderungen sind bis dato noch nicht vollständig geklärt.


Mittels Magnetresonanz-Spektroskopie wurden Hirnstoffwechselveränderungen von Hashimoto-Patienten mit gesunden Probanden verglichen und diese Messungen mit den Schilddrüsenlaborparametern TSH, ft3, ft4, TAK und TPO korreliert und bewertet (Bladowska J. et al 2019 und Waliszewska-Prosol M. et al 2021).

Die MR-Spektroskopie ermöglicht die Bewertung von Stoffwechselkonzentrationen im Gehirn. Die linksseitige Parietalregion und der posteriore Gyrus cinguli wurden für die Analyse ausgewählt, da diese Hirnareale in Messungen oft mit den anfangs beschriebenen kognitiven Beeinträchtigungen zusammenhängen.


Bestimmt wurden unter anderem die Konzentrationen von N-Acetyl-Aspartat, Kreatin und Cholin.

Ausschlusskriterien waren:

- bekannte neurologische Erkrankungen,

- Patienten mit weiteren bekannten Autoimmunerkrankungen,

- bekannte psychiatrische Erkrankungen,

- Medikamenteneinnahmen, die die bioelektrische Gehirnaktivität beeinflussen,

- Patienten mit Beeinträchtigung des Seh- und Hörvermögens oder mit neurologischen Defiziten.


Die Hashimoto-Patienten hatten zum Untersuchungszeitpunkt einen TSH im Referenzbereich und wurden mit Levothyroxin behandelt.


Die MR-Spektroskopiemessungen zeigten:

- eine statistisch signifikante Verringerung von N-Acetyl-Aspartat, ein Biomarker für

neuronales Gewebe. Je länger die Hashimoto-Erkrankung bekannt war, umso

ausgeprägter war die Verringerung von N-Acetyl-Aspartat. Die Messungen waren

umso signifikanter, je tiefer die Serumkonzentration von ft3 lag;

- ein erhöhtes Cholin, ein Biomarker für den Zellmembran-Turnover. Die Messungen

waren signifikant assoziiert mit tiefen ft3-Serumkonzentrationen;

- keine signifikanten Korrelationen der Hirnstoffwechselmetaboliten mit den

Schilddrüsenantikörpern TAK oder TPO.


Fazit: die MR-Spektroskopie zeigt einen Zusammenhang zwischen messbaren Hirnstoffwechselveränderungen und Schilddrüsendysfunktion bei Hashimoto Thyreoiditis, die umso ausgeprägter waren, je tiefer die Serumkonzentrationen von ft3 gemessen wurden und je länger die Erkrankung bekannt war.



Berücksichtigen Sie bei einer guten Schilddrüseneinstellungen daher niemals nur den TSH-Wert. Die freien Werte (ft3, ft4) sind immens wichtig für einen gut eingestellten Hashimoto-Patienten.

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